Leitfaden OpenRewi

Modul 4: Publikations- und Review-Prozesse bei OpenRewi

Lernziele

  • Die Lernenden können die zentralen Schritte des OpenRewi-Publikationsprozesses beschreiben.
  • Die Lernenden können die Aufgaben verschiedener Rollen im Publikationsprozess unterscheiden.
  • Die Lernenden können die Funktion von Review-Verfahren für die fachliche, rechtliche und didaktische Qualitätssicherung erläutern.
  • Die Lernenden können Qualitätskriterien für OER auf rechtswissenschaftliche Lehrmaterialien anwenden.
  • Die Lernenden können konstruktives Feedback zu rechtswissenschaftlichen OER formulieren.

Schwerpunkte

Material

1. Die Bedeutung kollaborativer Publikationsprozesse für OER

OER entstehen häufig in gemeinschaftlichen Arbeitsprozessen. Die Zusammenarbeit mehrerer Autor:innen, Herausgebenden und Reviewer:innen ermöglicht es, unterschiedlichen fachliche Perspektiven, Erfahrungen und Kompetenzen in die Entwicklung von Materialien einzubringen. Auf diesem Weg können Inhalte aktualisiert, ergänzt und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Kollaborative Publikations- und Reviewprozesse leisten zudem einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung. Rückmeldungen aus der Fachcommunity helfen dabei, fachliche Fehler zu identifizieren, Verständlichkeit zu verbessern und Materialien an unterschiedliche Lehr- und Lernkontexte anzupassen.

Für OpenRewi bildet die kollaborative Erstellung juristischer Lehr- und Lernmaterialien einen zentralen Bestandteil des Selbstverständnisses. Dahinter steht die Überzeugung, dass wissenschaftliche Publikationen durch vielfältige Perspektiven an Qualität und Relevanz gewinnen. Gleichzeitig können offene und gemeinschaftliche Publikationsprozesse dazu beitragen, traditionelle Hürden der rechtswissenschaftlichen Publikationskultur abzubauen.

2. Publikationsablauf bei OpenRewi

OpenRewi verfügt bereits über etablierte Prozesse zur Initiierung, Entwicklung und Veröffentlichung rechtswissenschaftlicher OER. Die folgende Darstellung zeigt, wie diese bestehenden Abläufe durch OpenRewi Publishing schrittweise zu einer integrierten Publikationsinfrastruktur ausgebaut werden könnten.

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timeline
    title Der aktuelle Publikationsablauf bei OpenRewi

    Initiierung & Aufnahme 
        : Idee für ein Lehrbuchprojekt 
        : Kontaktaufnahme mit OpenRewi 
        : Vorabstimmung mit einer Vorstandsperson 
        : Diskussion und Entscheidung im Vorstand 
        : Einrichtung der OpenRewi-Infrastruktur 

    Teambildung & Projektstart 
        : Erstellung des Call for Participation 
        : Abstimmung mit OpenRewi und AG Diversität 
        : Veröffentlichung des CfP mit Bewerbungsfrist 
        : Sichtung der Bewerbungen 
        : Auswahl des Publikationsteams 
        : ggf. gezielte Ansprache weiterer Personen 

    Kollaborative Erarbeitung 
        : Autonome Projektorganisation 
        : Schreiben über unterschiedliche Werkzeuge 
        : Redaktioneller Prozess im Projekt 
        : Regelmäßige Publikationskonferenzen 
        : Redaktionelle Überarbeitung
        : Fertigstellung Manuskript
        : Author Review 

    Publikation 
        : ggf. Verlagsverhandlungen und Finanzierung 
        : Produktion durch Verlag 
        : Veröffentlichung und Bereitstellung 

3. Rollen beim Publikationsprozess

An der Erstellung und Veröffentlichung von OER sind in der Regel verschiedene Personen mit unterschiedlichen Aufgaben und Verantwortlichkeiten beteiligt.

Autor:innen

Die Autor:innen übernehmen die Verantwortung für die inhaltliche Estellung eines oder mehrere Kapitel.

Herausgebende

Die Herausgebenden tragen die Verantwortung für die Gesamtpublikation und koordinieren somit den Entstehungsprozess der Publikation bis zu ihrer Publikation. Zu ihren Aufgaben gehören: * die inhaltliche Ausrichtung sowie die grundsätzliche Struktur des Werks, * die Wahl des Autor:innen-Teams, * die Wahl des Veröffentlichungsort, * die Wahl der Lizenz, * sowie die Form des Reviews.

Reviewer

Reviews tragen zur Qualitätssicherung der Publikation bei, indem die Inhalte aus verschiedenen Perspektiven überprüft werden. Das Feedback fließt dann in die Überarbeitung des Textes mit ein.

4. Review als Qualitätssicherung und Lernprozess

Je nach Ausrichtung des Projektes, können unterschiedliche Reviewformen herangezogen werden: * Author Review Author Review im eigenen Publikationsprojekt; meist völlig offenBeim Author Review begutachten die beteiligten Autor die Beiträge innerhalb des eigenen Publikationsprojekts. Dieser Prozess ist in der Regel offen und dient der fachlichen Abstimmung, der Verbesserung einzelner Kapitel sowie der Sicherstellung eines konsistenten Gesamtwerks.

  • Peer Review Nicht am Publikationsprojekt beteiligte Personen mit passendem, fachlischen Hintergrund bewerten die Inhalte aus einer unabhängigen Perspektive und können fachliche Stärken, Schwächen oder Ergänzungsbedarfe identifizieren. Überlicherweise wird dieser Prozess als Blind Review oder sogar Double-blind Review durchgeführt. Im Sinne vom Open Science kann ein Open Peer Review eingesetzt werden, bei dem die beteiligten Personen und ihre Rückmeldungen transparent gemacht werden.

  • Student Review Insbesondere bei Lehrbüchern und anderen studiumsbezogenen OER kann die Einbindung von Studierenden in den Review-Prozess wertvoll sein. Sie können die Materialien auf Nutzbarkeit und Verständlichkeit prüfen. So können Bedürfnisse der Zielgruppe angemessen berücksichtigt und im iterativen Prozess eingebaut werden.

  • Community Review Die Qualitätssicherung von OER endet nicht mit der Veröffentlichung. Lehrende, Studierende, die Fachcommunity und weitere Nutzende können durch Rückmeldungen, Fehlermeldungen, Diskussionen oder Verbesserungsvorschläge zur kontinuierlichen Weiterentwicklung der Materialien beitragen. Das kann auch zum Ausgangspunkt für neue Projektideen werden.

Die konkrete Ausgestaltung von Review- und Publikationsworkflows kann je nach Projekt, Ziel, Zielgruppe und organisatorischen Rahmenbedingungen variieren, wodurch individueller Spielraum geboten wird. Es gibt nicht das eine Open-Peer-Review-Modell. Vielmehr können unterschiedliche Elemente von Offenheit – etwa offene Identitäten, offene Gutachten, offene Beteiligung oder Community-Feedback – je nach Projekt unterschiedlich kombiniert werden. (Worthington 2022)

Für OpenRewi können verschiedene Review-Formen kombiniert werden, beispielsweise: * internes Author Review, * externes fachliches Peer Review, * studentisches Review zur didaktischen Passung, * Community-Feedback nach Veröffentlichung.

Dadurch entsteht ein mehrstufiges Qualitätssicherungssystem, das unterschiedliche Zielgruppen und Qualitätsdimensionen berücksichtigt.

5. Wie erkenne ich gute OER?

Die Qualität von OER lässt sich nicht allein anhand der fachlichen Richtigkeit oder didaktischen Gestaltung beurteilen. Eine besondere Rolle spielen dabei Metadaten (vgl. Modul 2). Selbst hochwertige Lehrmaterialien können ihr Potenzial nicht entfalten, wenn sie von potenziellen Nachnutzenden nicht gefunden werden.

Gleichzeitig unterscheidet sich die Qualitätssicherung von OER in wesentlichen Punkten von traditionellen Publikationsprozessen. Während bei klassischen Lehrmaterialien häufig festgelegte Qualitätskriterien überprüft werden, sind OER durch ihre Offenheit und Anpassbarkeit gekennzeichnet. Qualität ist daher nicht ausschließlich ein Ergebnis vorgelagerter Prüfprozesse, sondern entsteht auch durch Nutzung, Feedback und Weiterentwicklung und ist somit als kontinuierlicher Prozess zu verstehen (Angelina u. a. 2025).

Darüber hinaus ist es ebenso wichtig, inwieweit Lehr- und Lernmaterialien unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und die Fähigkeit zur kritischen Reflexion fördern. Dies entspricht auch den Zielen der juristischen Ausbildung. Nach § 5a Abs. 3 DRiG sollen die Inhalte des Studiums die ethischen Grundlagen des Rechts berücksichtigen, sowie kritisches Rechtsdenken fördern. Diversitätssensibel gestaltete OER tragen in hohem Maße dazu bei:

Reflexion des eignen Rechtsverständnisses

Recht erscheint häufig als objektives und neutrales Regelwerk. Die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven kann jedoch dazu beitragen, die gesellschaftlichen Voraussetzungen, Wertentscheidungen und historischen Entwicklungen sichtbar zu machen, die rechtlichen Normen zugrunde liegen.

Kolonialismus und seine Nachwirkungen

Koloniale Herrschaftsverhältnisse haben gesellschaftliche, politische und rechtliche Strukturen in vielen Teilen der Welt nachhaltig geprägt. Auch heute wirken koloniale Denkmuster und Machtverhältnisse in unterschiedlichen Kontexten fort. Lehrmaterialien können dazu beitragen, diese historischen Zusammenhänge sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für gegenwärtige Debatten über Recht, Gerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe einzuordnen.

Stereotype und Überlegenheitsnarrative hinterfragen

Stereotype und pauschalisierende Zuschreibungen prägen gesellschaftliche Wahrnehmungen und können sich auch in Lehrmaterialien widerspiegeln. Diversitätssensible OER achten darauf, solche Darstellungen kritisch zu reflektieren und unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen.

Auseinandersetzungen mit historischen Unrecht

Die kritische Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Unrecht sowie dem Unrecht der SED-Diktatur gehört zu den grundlegenden Aufgaben juristischer Bildung. Lehrmaterialien können historische Erfahrungen von Ausgrenzung, Entrechtung und Machtmissbrauch aufgreifen und damit das Verständnis für die Bedeutung rechtsstaatlicher Prinzipien, demokratischer Institutionen und des Schutzes von Grund- und Menschenrechten stärken.

Räume für Selbstreflexion schaffen

Diversitätssensible Lehrmaterialien regen dazu an, die eigene Position, Perspektive und Verantwortung in einer pluralen Gesellschaft zu reflektieren.

Vielfalt differenziert darstellen

Menschen verfügen über unterschiedliche Identitätsmerkmale, Erfahrungen und Lebenswege. Lehrmaterialien sollten diese Vielfalt sichtbar machen, ohne Personen auf einzelne Merkmale zu reduzieren.

Geschlechtsspezifisches Stereotype hinterfragen

Geschlechterrollen und geschlechtsspezifische Zuschreibungen prägen gesellschaftliche Erwartungen und können auch in Lehrmaterialien unbewusst reproduziert werden. Diversitätssensible OER reflektieren solche Darstellungen kritisch und bemühen sich um eine vielfältige und differenzierte Repräsentation von Personen und Lebensentwürfen.

Diversität wertschätzend berücksichtigen

Die Beschreibung sozialer Kontexte beeinflusst, welche Vorstellungen von Normalität, Zugehörigkeit und gesellschaftlicher Teilhabe vermittelt werden. Diversitätssensible Materialien achten darauf, unterschiedliche Lebensrealitäten wertschätzend einzubeziehen und diskriminierende oder ausgrenzende Darstellungen zu vermeiden.

6. Feedback als Instrument der Qualitätsentwicklung

Kollaborative Publikationsprojekte leben vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven. Feedback ermöglicht es, Materialien kontinuierlich weiterzuentwickeln und fachliche, rechtliche sowie didaktische Aspekte gemeinsam zu reflektieren. Dabei sollte zwischen Evaluation und Feedback unterschieden werden. Während Evaluation darauf abzielt, anhand festgelegter Kriterien möglichst objektive Aussagen über Qualität zu treffen, ist Feedback stets subjektiv und basiert auf individuellen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Einschätzungen.

Damit Feedback einen konstruktiven Beitrag zur Qualitätsentwicklung leisten kann, sollte es einigen grundlegenden Prinzipien folgen (Biernacka u. a. 2023): * Feedback ist immer subjektiv (Ich-Botschaften, anstatt man-Formulierungen) * Feedback muss/sollte freiwillig sein * Feedback ist konkret, konstruktiv und wertschätzend * Die Feedback-suchende Person bestimmt selbst, ob Feedback erwünscht ist und worauf Feedback gegeben werden kann/soll.

Im Kontext der Erstellung von OER kann Feedback auf unterschiedlichen Ebenen erfolgen:

Konstruktives Feedback

Konstruktives Feedback bezieht sich auf die allgemeine Verständlichkeit, Struktur und Nachvollziehbarkeit eines Materials. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Inhalte wahrgenommen werden und welche Verbesserungspotenziale bestehen.

Fachliches Feedback

Fachliches Feedback dient der Überprüfung inhaltlicher Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Es kann helfen, fachliche Ungenauigkeiten aufzudecken, zusätzliche Perspektiven einzubringen oder komplexe Zusammenhänge präziser darzustellen.

Rechtliches Feedback

Bei offenen Bildungsressourcen spielen rechtliche Aspekte eine besondere Rolle. Rechtliches Feedback kann sich beispielsweise auf urheberrechtliche Fragestellungen, die korrekte Verwendung von Lizenzen, Quellenangaben oder die Nachnutzbarkeit verwendeter Materialien beziehen. In rechtswissenschaftlichen OER können darüber hinaus die juristische Argumentation, die korrekte Darstellung von Normen und Rechtsprechung sowie die rechtliche Einordnung von Sachverhalten Gegenstand des Feedbacks sein.

Didaktisches Feedback

Didaktisches Feedback richtet den Blick auf die Lernenden und die Gestaltung des Lernprozesses. Es kann sich beispielsweise auf die Formulierung von Lernzielen, die Strukturierung von Inhalten, die Verständlichkeit von Beispielen oder die Aktivierung der Lernenden beziehen.

Unabhängig von der jeweiligen Ebene sollte Feedback als Einladung zur Reflexion und Weiterentwicklung verstanden werden.

7. Checklisten für Review und Überarbeitung

8. Offene Fragen zur Prozessgestaltung

  • Metafrage an OpenRewi: wie steuernd/kontrollierend/unterstützend möchte man

Checkliste

Feedback auf OER

Review-Kommentar-Vorlage [gerne anpassen]

  • Stärke:
  • Unklarheit:
  • Konkreter Verbesserungsvorschlag:
  • Rechtlicher / formaler Prüfpunkt:
  • Didaktischer Prüfpunkt:

Offene Fragen

  • Prozessvisualisierung? Wie Ebenen abbilden, da umfangreiche Vermischung aus organisatorischen und technischen Prozessschritten sowie zeitliche Ebenenverschiebung innerhalbs des Prozesses

Glossar-Kandidaten [gerne anpassen]

  • Review
  • Peer Review
  • Qualitätssicherung
  • OpenRewi-Publikationsprozess
  • Rollenmodell
  • Feedback
  • CfP – Call for Participation